Wiedersehen macht Freude: Am 17. Februar hat der Frankfurter Kreisverband der DEHOGA des Mitglieder des DEHOGA Hessen und Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik sowie der Presse in die Mainmetropole eingeladen. Bei der beliebten Neujahresfeier ließen handverlesene Redner das vergangene Jahr Revue passieren, ohne den Blick nach vorne dabei zu vergessen!

„Bei all den Herausforderungen einer globalen, multimedial vernetzten Welt repräsentieren wir mit der Hotellerie und Gastronomie eine Branche, die verlässlich für Gastlichkeit, Internationalität, Toleranz und Respekt steht“, spricht Eduard M. Singer nach gebührender Begrüßung stolz von der Bühne des Crowne Plaza Frankfurt – Congress Hotel.

Um Beispiele für besagte Schwierigkeiten ist der Vorsitzende des DEHOGA KV Frankfurt dennoch nicht verlegen: Die auseinandergehende Schere zwischen Angebot und touristischer Nachfrage, die wachsende Popularität der Sharing-Economy, Mehrwertsteuersätze, die Umsetzung von Nachhaltigkeit, Fachkräftemangel, „Sabine“ und Corona-Virus oder die Zunahme von Verordnungen – Stichwort Bonpflicht – halten die Branche auf Trab.

Appellierend wendet sich Singer an einige der anwesenden Politikvertreter, um an einen weiteren, allzu bekannten Stolperstein zu erinnern: „Das Arbeitszeitgesetz muss endlich der Lebenswirklichkeit angepasst werden. In vielen Berufsgruppen wird genau dann gearbeitet, wenn Arbeit anfällt. Wieso gesteht man uns das nicht zu? Wir möchten Arbeitszeiten individuell und flexibel gestalten können. Bitte lassen sie uns dann arbeiten, wenn unsere Gäste es erwarten. Lassen Sie nicht zu, dass Hotellerie und Gastronomie irgendwann von Automaten und Robotern betrieben werden!“

Allen berechtigten Zukunftssorgen zum Trotz übergibt Singer das Wort nach einer motivierenden Feststellung: „Wir stecken den Kopf nicht in den Sand – wir stärken unsere Sinne, krempeln die Ärmel hoch und gehen voran. Denn Innovation, Schaffenskraft, Tradition und Trends, Leidenschaft und Handwerkskunst machen unsere coole Branche aus.“


Thomas Feda, seines Zeichens Geschäftsführer der Tourismus + Congress GmbH Frankfurt, zieht mit seinem Vortrag anschließend Bilanz über zwei Jahre Tourismusbeitrag. Dem Publikum vor Ort ergründet er dessen Notwendigkeit noch einmal kompakt, ehe er einige der mithilfe der Abgabe umgesetzten Aktionen – insgesamt schon über 100 – in Erinnerung ruft.

„Wir haben den Gesundheitsstandard sehr stark gefördert, etwa mit einer fünfsprachigen Broschüre. Unser ‚Best of Frankfurt‘-Magazin wird mit einer Auflage von über 300.000 Exemplaren im Jahr produziert – und aufgrund der großen Nachfrage könnten wir die Veröffentlichungsfrequenz durchaus noch steigern. Die gerade zuende gegangene Van-Gogh-Ausstellung haben wir sechsstellig unterstützt; etwa in Form von Bewerbung und Vermarktung, wodurch wir uns auch international gut positionieren konnten.“

Feda betont, dass zum Beispiel die Bemühungen zum Thema „Frankfurt barrierefrei“ nur durch den Tourismusbeitrag ermöglicht worden sind. „Dieses Engagement hätte ich mir ohne den Beitrag nicht leisten können, da es hier längst nicht nur um die bloße Erstellung einer Broschüre ging“, verrät er hinsichtlich der zeitaufwändigen Kooperation mit den beteiligten Verbänden, die der Branche fortan die Möglichkeit zur Präsentation auf entsprechenden Messen eröffnet.

Apropos Zukunft: „Zusammen mit dem DEHOGA, der IHK und anderen Partnern arbeiten wir in einem Ein-Jahres-Projekt den Masterplan Tourismus 2030 aus“, kündigt Feda an. Das Dokument soll sowohl Bestands- und Potentialanalysen als auch Handlungsempfehlungen beinhalten und im kommenden November auf dem Frankfurter Tourismustag im Römer in aller Ausführlichkeit vorgestellt werden.

Auch die konkreten Aktionen von morgen werfen ihre Schatten bereits voraus. Mehrere hochwertige Selfie-Points, den größten Joggingpfad der Bundesrepublik oder eine Restaurant- und Bar-Woche stellt Feda in Aussicht, der seine Dankbarkeit für die durch den Tourismusbeitrag gegebenen Chancen mehrfach aufrichtig vermittelt.


Dritte im Bunde der Bühnenredner ist Natalie Lumpp, die als „Wein-Sommelière aus Leidenschaft“ vorgestellt wird und sich vor allem dem Wandel innerhalb der Branche widmet. Die Expertin für gute Tropfen erinnert sich ans heimische Südbaden: „Dort gab es in jeder Ortschaft mindestens fünf oder sechs Wirtschaften. Heute kann man sich glücklich schätzen, wenn man noch eine einzige findet – und diese Reduktion wird sich fortsetzen.“

Eine Entwicklung, die Lumpp bedauert. „Ich liebe Tradition“, beteuert sie und relativiert zugleich: „Aber Tradition ohne Fortschritt ist der Tod. Man muss mit dem Wandel gehen; pfiffige Konzepte sind gefordert. Wir müssen uns fragen, was die Leute wirklich wollen und Erlebnisse schaffen!“

Die weitgereiste Hotelfachfrau füllt ihren lebhaften Vortrag mit Vorbildern, die sie selbst begeistern konnten und liefert damit vielfältige Inspiration für verschiedenste Branchenzweige. Auch auf Fragen aus dem Publikum geht Lumpp offenherzig und direkt ein.

Nicht zuletzt thematisiert sie ihre eigenen Erfahrungen im TV-Geschäft, das ihr zufolge einen vielschichtigen Einfluss auf die Mitarbeiter-Wahrnehmung hat – speziell, was Köche betrifft: „Der Beruf hat durch Fernsehköche wieder an Attraktivität gewonnen, das ist schön. Kehrseite der Medallie ist allerdings, dass Leute teils völlig euphorisch im Betrieb ankommen, der nächste Henssler sein wollen und dann ziemlich schnell merken, was Gastronomie eigentlich bedeutet. Manche verlieren den Sinn für die Realität.“


Für amüsante Abrundung des Tagesprogramms sorgt schließlich der Comedian Andy Ost, der kurzfristig für den krankheitsbedingt ausfallenden Woody Feldmann einspringt. Mit einer launigen Nummer schickt er die vergnügten Gäste zum obligatorischen Get-Together, auf dem bei guten Getränken gewiss nicht nur die Vortragsinhalte eifrig diskutiert werden…

Noch beschwingt von der gelungenen Veranstaltung freut sich die Redaktion auf ein fantastisches 2020 mit und in der coolen Branche. An aufregenden Themen sollte es uns sicher nicht mangeln!